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Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz diskutiert an seinem Symposium unter dem Titel „Kein Business as usual gegen nichtübertragbare Krankheiten“ über Ursachen und Folgen der NCDs-Epidemie weltweit.

Sie wissen es – nicht-übertragbare Krankheiten stellen für das Schweizer Gesundheitssystem eine grosse Herausforderung dar. Bund und Kantone investieren aus diesem Grund in Präventionsprogramme, um einen gesunden Lebensstil zu fördern. Implizite Botschaft dabei: Jeder und jede kann selbst dafür sorgen, gesund zu bleiben. Und noch impliziter Jeder und jede, die an einer nicht-übertragbaren Krankheit leidet ist selber schuld.

Wussten Sie aber auch, dass 80% der Todesfälle aufgrund nicht-übertragbarer Krankheiten weltweit in Entwicklungs- und Schwellenländern geschehen? Sind nun alle diese Menschen selber schuld, weil sie keinen gesunden Lebensstil pflegen?

Das Beispiel Mexiko zeigt, dass dies doch ein wenig komplexer ist: Mit dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA verpflichtete sich das Land 1994, ausländische Investitionen zu erleichtern. Zwischen 1993 und 2003 stieg der Anteil von verarbeiteten Nahrungsmitteln in Mexiko um 5-10% pro Jahr. 1999 stammten 46% der Energie, die Kinder zwischen eins und vier Jahren in Mexiko zu sich nahmen, aus verarbeiteten Lebensmitteln. Fettleibigkeit und Übergewicht stiegen von 33% 1988 auf 62.5% im Jahr 2004. Diabetes, die führende Todesursache in Mexiko, hat sich zwischen 2000 und 2015 verdoppelt.

Wir können über nicht-übertragbare Krankheiten nicht sprechen, ohne über die Determinanten zu sprechen, welche sie verursachen. Das sind im Falle Mexikos ökonomische Determinanten, indem durch einen unkontrollierten Freihandel ungesunden, viel zu billige Lebensmittel und Süssgetränke den mexikanischen Markt überschwemmen. Das können aber auch ebenso ökologische Determinanten sein, wie kürzlich die Lancet Commission on Pollution and Health aufgezeigt hat.

Wenn nun im kommenden Jahr die UNO zum High-Level Meeting on NCDs Staats- und Regierungschefs zusammen bringt, um sich erneut für den gemeinsamen Kampf gegen diese Krankheitsgruppe zu engagieren, müsste es eigentlich darum gehen, die krankmachenden Faktoren anzugehen. Gerade die Schweiz als bedeutender Standort der Lebensmittel- und der Tabakindustrie steht hier in der Verantwortung, eine positive Rolle zu spielen.

Denn eines ist klar: Auch bei uns in der Schweiz greifen Präventionsmassnahmen zu kurz, wenn sie darauf beschränkt bleiben, das individuelle Verhalten zu beeinflussen statt die krankmachenden Faktoren anzugehen. Übrigens ist Mexiko eines der ersten Länder, die eine Zuckersteuer eingeführt haben.

Martin Leschhorn Strebel ist Geschäftsführer des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz

 

Bild: Coca Cola Stand, Will De Freitas, flickr, CC BY-NC-ND 2.0