Drucken

Der 10. Oktober ist der internationale Tag der psychischen Gesundheit. An diesem Anlass wird jedes Jahr darüber diskutiert, wie Menschen sich ihre psychische Gesundheit aufrechterhalten oder wiedererlangen können. Oft geht dabei eine Gruppe fast vergessen, deren psychische Gesundheit erheblich gefährdet ist: Die Kinder psychisch kranker Eltern.

Psychische Störungen sind die häufigste Invaliditätsursache in der Schweiz. Das Lebenszeitrisiko, an einer psychischen Erkrankung zu leiden, beträgt etwa 50 Prozent. Psychische Krankheiten belasten nicht nur die erkrankte Person. Auch ihr Umfeld ist stark davon betroffen – am meisten minderjährige Kinder.

Die Bedürfnisse und Nöte dieser Kinder werden oft ungenügend wahrgenommen. Vielen Fachpersonen ist zu wenig bewusst, wie entwicklungshemmend die elterliche Erkrankung für ein Kind sein kann. Das psychische Erkrankungsrisiko der betroffenen Kinder ist erhöht. Nur ein Drittel dieser Kinder bleibt gesund. Alle anderen werden entweder in der Kindheit oder später selber krank oder fühlen sich immer wieder im Leben «durch einen Schatten auf der Seele» ausgebremst. 

Die Kinder reagieren oft erst im Nachhinein auf eine grosse psychische Belastung eines Elternteils. In der akuten Krise verhalten sie sich häufig angepasst und unauffällig. Dabei beginnt das Leiden für sie lange vor der ärztlichen Diagnose. Von der kindlichen Wahrnehmung der ersten Symptome und We-sensveränderungen der Mutter oder des Vaters bis zur Aufklärung der Kinder vergehen häufig Monate oder sogar Jahre. Aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung und Disqualifizierung, wird in vielen Familien nicht über die elterliche Erkrankung gesprochen. Dieser «Graubereich» ist eine besondere schwere Zeit für die Kinder, denn für das befremdliche Verhalten stehen ihnen keine rationalen Erklärungen zur Verfügung. 

Was brauchen diese Kinder, um sich gesund entwickeln zu können? In erster Linie Erklärungen und mindestens eine verlässliche erwachsene Bezugsperson. Damit die Not dieser Kinder frühzeitig erkannt wird und sie Hilfe erhalten, braucht es zudem dringend integrierte Versorgungsansätze und den besseren Austausch zwischen den Leistungserbringern unterschiedlicher Versorgungsbereiche – zum Beispiel zwischen der Erwachsenen- und Kinderversorgung. Und es braucht niederschwelllige Angebote für betroffene Familien und ihr Umfeld wie Informationsplattformen, Anlauf- und Beratungsstellen.

Alessandra Weber
Geschäftsleiterin iks Institut Kinderseele Schweiz