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Suizid wird unterschätzt. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September 2017 soll dazu beitragen, ein oft verdrängtes Thema zu enttabuisieren. Denn oft fehlt Suizidgefährdeten jemand, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können.

eder joachim FDPJedes Jahr nehmen sich weltweit mehr als 800'000 Menschen das Leben – das ist eine Person alle vierzig Sekunden. In der Schweiz sterben mit jährlich 1'300 Menschen fast dreimal so viele Personen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle. 10 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer versuchen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal, sich umzubringen.

Obwohl diese Zahlen eine deutliche Sprache sprechen, werden psychische Erkrankungen noch immer stigmatisiert und Suizid ist oft ein unterschätztes Tabuthema. Aus diesem Grund haben die International Association for Suizide Prevention und die Weltgesundheitsorganisation 2003 den Welttag der Suizidprävention ins Leben gerufen, der seither jedes Jahr am 10. September stattfindet. Ziel ist, die Öffentlichkeit für die Themen Suizid und Prävention zu sensibilisieren.

Das Motto des diesjährigen Welttages der Suizidprävention lautet «Take a minute, change a life». Damit wird an die Mitglieder einer Gemeinschaft appelliert, sich für jene Menschen Zeit zu nehmen, die dringend jemanden brauchen, um über ihre Probleme zu sprechen. In diesem Sinne betont auch der «Aktionsplan Suizidprävention Schweiz», den der Bund 2016 gemeinsam mit weiteren Akteuren verabschiedet hat, dass Suizidprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

Denn Suizid kann in vielen Fällen verhindert werden – oft fehlen den Suizidbedrohten einfach Ansprechpartner, die sich Zeit fürs Zuhören nehmen. So gehört die Tatsache, dass viele Menschen nicht über ihre Suizidgedanken sprechen, zu den Hauptproblemen in der Suizidprävention.

Den Zahlen und Fakten muss ein politischer Wille folgen, die Suizidprävention voranzutreiben – auch in der Schweiz. Diesem Ansinnen steht entgegen, dass hierzulande im Moment nur 2.4 Prozent der Gesundheitsausgaben in die Prävention und Gesundheitsförderung fliessen. Neben dem Schaffen von Rahmenbedingungen, die Früherkennung und Prävention vereinfachen, müssen Sensibilisierungskampagnen zur Entstigmatisierung von Menschen mit psychischen Problemen beitragen. Zudem sollten auch Private – beispielsweise im betrieblichen Gesundheitsmanagement – Verantwortung übernehmen, gesundheitsfördernde Massnahmen und Suizidprävention proaktiv anzugehen.

Joachim Eder, Ständerat Kanton Zug, Co-Präsident der parlamentarischen Gruppen nichtübertragbare Krankheiten NCD und psychische Gesundheit