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Das Waadtländer Universitätsspital in Lausanne arbeitet mit einem spitalinternen Programm zum Schutz des Kindes, dem sogenannten Child Abuse and Neglect Team. Dabei werden die Fähigkeiten aller Fachpersonen, die mit den werdenden Eltern in Kontakt stehen, in einem interdisziplinären Team zusammengeführt. Die wichtigsten Schritte sind, die Verletzlichkeiten der werdenden Eltern zu erkennen, die Bedürfnisse zu identifizieren und ein Netzwerk aufzubauen.

Nachdem sich die technisierte Medizin auch in der Geburtshilfe durchzusetzen begann, stellten die Pflegefachpersonen, insbesondere die ärztlichen Geburtshelfer, Hebammen, Pädiater, Kinderpsychiaterinnen und Psychiater fest, dass die Zeit, die für die Beziehung von Mensch zu Mensch fehlte, bei den werdenden Eltern zu emotionaler Unsicherheit führte. Dies erschwerte es ihnen in bestimmten Fällen, eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und ihm den Platz zu geben, der ihm zusteht.

Sicheres Umfeld und Austauschmöglichkeit bieten
Vor diesem Hintergrund wollten die Fachpersonen ihre Praktiken rund um die Schwangerschaft und die Geburt neu überdenken und ein sogenanntes Perinatalkonzept entwickeln. Im Wissen, dass negative Lebenserfahrungen, Misshandlungen, emotionale Entbehrungen, Schuldgefühle und die Angst davor, keine «guten Eltern» zu sein, kurz, alle schmerzvollen Erlebnisse zu Komplikationen während der Geburt (Frühgeburten, intrauterinen Entwicklungsrückständen, schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck usw.) führen können, kam man zur Einsicht, dass den zukünftigen Eltern, speziell den besonders verletzlichen, ein sicheres Umfeld und eine Austauschmöglichkeit geboten werden mussten, wo jede und jeder seine Ängste äussern konnte, ohne eine Verurteilung befürchten zu müssen.

Heute ist allgemein bekannt, dass eine wirksame Unterstützung der werdenden Eltern zur Prävention späterer physischer und psychischer Misshandlungen beitragen kann. Die Prävention ist ein wichtiger Aspekt des öffentlichen Gesundheitswesens und die Schwangerschaft ein günstiger Zeitpunkt für präventive Massnahmen.

Jede Fachperson hat zweifellos ihre speziellen Fähigkeiten, die für den guten Verlauf einer Schwangerschaft, Geburt und für die optimale Nachbetreuung des Kindes im familiären Umfeld unerlässlich sind. Doch wie können ärztliche Geburtshelfer, Hebammen oder Pädiaterinnen ohne die Hilfe eines Kinderpsychiaters oder einer Psychiaterin die Bedürfnisse einer psychisch kranken Schwangeren oder eines Paares, bei dem Gewalt an der Tagesordnung ist, befriedigen? Arbeitet jede und jeder nur für sich, zersplittert die Intervention und es fehlt an Kohärenz und Kohäsion bei der Betreuung der Familie, was genau der Grund für die erwähnte Unsicherheit ist.

Lesen Sie die Fortsetzung des Artikels von Dr. med. Jean-Jacques Cheseaux in der «Hebamme.ch» Nr. 4/2018 hier.